Historischer Schwertkampf bzw. Historisches Fechten ist eine noch nicht so weit verbreitete Freizeitbeschäftigung, die jedoch immer mehr Begeisterte findet. Viele sind überrascht, wenn sie erfahren, dass es historische Kampfstile bzw. Kampfkünste gibt, die aus Europa stammen und körperlich und taktisch anspruchsvoll sind und asiatischen Kampfkünsten in nichts nachstehen.

Für Leser, die aus Interesse auf diese Seite gestoßen sind und bisher keinen Kontakt zum historischen Fechten hatten, empfehle ich hier zu schauen.
Ochs und Schrankhut

Training

Anfängertraining: dienstags, 20:00-21:30 Turnhalle der Oskar-Linke-Schule
Karte (bei der “Dynamo”-Schwimmhalle)
Schmeilstr. 1
39110 Magdeburg
Zwar ist historisches Fechten bzw. historischer Schwertkampf eine körperliche Betätigung und damit auch ein Kampfsport. Jedoch schwingt oftmals damit auch ein Wettbewerbsgedanke mit. Beim modernden Sportfechten geht es darum, den Partner mit allen erdenklichen Möglichkeiten – die die Regeln zulassen – zu treffen.
Historischer Schwertkampf, so wie wir ihn trainieren, ist dann eher als Kampfkunst zu bezeichnen. Wir trainieren, um den Schwertkampf an sich zu erfassen und zu begreifen, soweit es für uns als Menschen des 21. Jahrhunderts möglich ist. Es geht uns nicht vorrangig darum, uns mit anderen im Wettbewerb zu messen, sondern unsere eigenen Fähigkeiten mit dem Schwert auszubauen.
Wenn wir die Fähigkeiten und die Ausrüstung haben, werden wir auch Freikämpfe durchführen. Jedoch geht es bei diesen nicht ums Gewinnen. Unser Trainings-Ziel ist es in der Lage zu sein, mit einem Partner frei zu kämpfen (mit entsprechender Schutzausrüstung) und das technische und taktische Konzept von Liechtenauer umzusetzen.

Wer sich mit Texten zu Liechtenauer beschäftigt hat, wird gelesen haben, dass sich seine Techniken (auch Stücke genannt) sich an erfahrene Fechter richten.Was hat das für Auswirkungen auf das Training? Wir versuchen einen Spagat zwischen: Erlernen von Grundtechniken und das Umsetzen des Konzeptes von Liechtenauer.

Ein typisches Problem in den Kampfkünsten und Kampfsportarten ist, dass bei den Trainierenden der Wunsch nach immer neuen Techniken besteht, obwohl die bisher kennengelernten Techniken noch nicht „sitzen“.

In unserem Training geht es nicht darum, möglichste viele Techniken zu machen, sondern sich kämpferische Fähigkeiten nach und nach anzueignen und diese mit entsprechenden Techniken umzusetzen.

Das Ziel ist es, dass gelernte Techniken – im historischen Fechten nennt man diese Stück – im Freikampf umsetzen zu können. Um dieses Ziel zu erreichen, müssen Stücke immer wieder wiederholt werden.

Dazu bedarf es persönlicher Disziplin und auch Durchhaltevermögen.

Anfänger beschäftigen sich insbesondere mit Schrittarbeit, der Mensur und dem „richtigen“ Hau. Das bedeutet, dass Anfänger zu beginn recht wenig Partnertraining machen, sondern sich erst damit beschäftigen, ihre Arme, Beine und ihr Schwert zu koordinieren.

Unsere Fortgeschrittenen beschäftigen sich auch mit den oben genannten Bereichen, zusätzlich jedoch noch mit „Wie treffe ich ohne getroffen zu werden“.
Irrtum:“ Es ist nicht bekannt, wie im Mittelalter gekämpft wurde.
“Richtig:“ Es gibt für den europäischen Bereich Fechtbücher und andere Quellen. Das Älteste wurde um rund 1300 verfasst. Ältere Fechtbücher sind leider nicht bekannt.
“Irrtum:“ Trotz der Quellen ist es nicht möglich, nur aufgrund von Büchern die damaligen Techniken nachzuvollziehen.
“Richtig:“ Verschiedene Personen und Gruppen haben sich jahrelang mit den Quellen auseinandergesetzt. Sie haben die Fechtsysteme rekonstruiert, in dem sie Techniken mit der Waffe in der Hand erforscht und nachvollzogen haben. Teilweise gibt es verschiedene Interpretationen von Techniken und die Behauptung, die Fechtsysteme wären 100% rekonstruiert, ist nicht korrekt. Jedoch sind die „Forscher“ soweit, dass sie mit gutem Gewissen von historisch überlieferten Techniken sprechen können.
“Irrtum:“ „Damals“ haben sie nur mit roher Kraft gekämpft, Technik gab es nicht.
“Richtig:“ Die Quellen liefern Fechtsysteme, die technisch anspruchsvoll und durchdacht sind.
“Irrtum:“ Ritterfilme zeigen einen adäquaten Umgang mit historischen Waffen.
“Richtig:“ Wie in allen Filmen entsinnen Choreografen Bewegungen und Aktionen, die nichts mit einem richtigen Schwertkampf zu tun haben. Ein „echter“ Schwertkampf dauert nur wenige Sekunden und hat nichts mit dem zu tun, was man in Filmen oder oft auf Mittelaltermärkten sieht.
“Irrtum:“ Schwerter sind schwer.
“Richtig:“ Ein historisches langes Schwert (des 15. Jahrhunderts), oft auch gerne Anderthalbhänder oder Bastardschwert genannt, wiegt rund 1500 bis 1700 Gramm (je nach Hersteller etwas mehr, oder etwas weniger). Die Meinung, dass Schwerter bleiern sind, hält sich eisern. Oftmals handelt es sich bei den meisten Schwertern, die auf Mittelaltermärkten zu sehen sind um klobige Schaukampfschwerter. „Fecht“-Schwerter haben eine schmalere Schneide und sind zumeinst anders gearbeitet.
“Irrtum:“ Ein Fechter der nach europäischen, mittelalterlichen Techniken kämpft, hätte gegen einen Vertreter der alten japanischen Kampfsysteme keine Chance.
“Richtig:“ Die Kampfkünste Kenjutsu und europäischer Schwertkampf mit den Langen Schwert sind in sich geschlossene Kampfsysteme, bei denen es kein Besser oder Schlechter gibt, sondern die gleichwertig sind.
“Irrtum:“ Das Schwert war die Waffe des Ritters in den Schlachten.
“Richtig:“ In der Tat trugen Ritter in Schlachten Schwerter. Jedoch war es „nur“ eine Beiwaffe und die Kämpfer haben zuerst mit anderen Waffen kämpft.
„Irrtum: Einen vollgerüsteten Ritter kann man besiegen, indem man mit seinem Schwert auf ihn schlägt.
“Richtig:“ Mit einem Schwert auf eine Rüstung zu schlagen, macht nur eins, das Schwert kaputt. Wenn Ritter mit Schwertern gegeneinander gekämpft haben, nutzten sie die Waffe wie ein Speer und versuchten, die Schwachstellen einer Panzerung anzugreifen.
Für unser Training spielt die richtige Ausrüstung eine große Rolle. Um bestimmte Techniken trainieren zu können, sind auch bestimmte Ausrüstungsteile unbedingt erforderlich.

Schwertsimulator
Direkt vorweg: Jeder Schwertsimulator hat seine Vor- und Nachteile. Wenn man sich nicht gerade mehrere Schwertsimulatoren zulegen möchte, muss man Kompromisse eingehen. Schwertsimulator (ohne Ringe)

Schutzausrüstung
Die Schutzausrüstung in HEMA (Historical European Martial Arts) entwickelt sich immer weiter. Es gibt verschiedensten Anbieter. Die Ausrüstung, die hier gezeigt wird, ist nur ein kleiner Ausschnitt von dem, was es noch auf dem Markt gibt.

Fechtmasken
Die Fechtmaske ist eins mit der wichtigsten Ausrüstungsgegenstände in unserem Training, da wir viel zum Kopf schlagen und stechen. Wichtig ist, dass die Fechtmaske 1600N hat. Dies steht normalerweise immer in der Maskenbeschreibung. Weniger darf es nicht sein. Anbieter: * Allstar * Uhlmann

Handschuhe
Zum einen benötigt ihr für das Training ein paar einfacher Handschuhe. Diese können aus Leder, aber auch aus einem anderen Material sein.

Schutzhandschuhe
Hiermit sind Handschuhe gemeint, die die Hände Hieben schützen. Für Personen mit kleinen Händen ist es etwas schwieriger, passende Schutzausrüstung zu erhalten. Red Dragon Sparring Gloves Red Dragon Gloves Eigentlich nicht dafür gedacht, vor Metall zu schützen. Tun sie aber dennoch gut, können hierbei nur schneller verschleißen. Relativ gute beweglichkeit. Achtung: Nur zwei Größen. Diese Handschuhe kann man auch über andere Anbieter in Europa bestellen. „Lobst“ Heavy Gloves „Lobster“ Heavy Gloves Achtung: Verschiedene Größen, gute Schutzwirkung. Mehr Handschuhe findet ihr hier: hier

mehr folgt…..


Bücher
Handschrift 44 A 8
Dieses Buch ist eine Transkrition des Manuskriptes 44 A 8. Gleichzeitig liefert es noch die Übersetzung ins Hochdeutsche. Der Autor des Buches ist Dierk Hagedorn von dem Verein Hammaborg. Es ist in dem Sinne kein Handbuch für welche, die historisches Fechten von Anfang an lernen möchten, sondern eher für Personen, die sich für die wirklichen Quellen interessieren.
Schwertkampf
Das Buch ist von Herbert Schmidt von ArsGladii. Das Buch erklärt, im Gegensatz zu 44 A 8, das historische Fechten von Anfang an und bietet sehr viel. Es ist in dem Sinne keine Quelle, sondern eine Interpretation von Herbert Schmidt.